Interview mit Jens Schönberg

 

In den USA, Karibik, Britisch Virgin Island, Australien und Thailand sind die Motorkatamarane schon seit Jahren ein Renner – einer der beliebteste Motorkatamarane dieser Reviere ist der Aquilla Powercat. Nun ist er auch in Europa angekommen und steht im populärsten Urlaubsgebiet Kroatien bei Phönix Yachting zur Verfügung.

Aus diesem Anlass haben uns mit Jens Schönberg, einem langjährigen Experten und Motoryacht Liebhaber zu dem Thema Motor Katamaran unterhalten. Da diese Boote immer stärkeren Anklang in der Szene finden, möchten wir noch rechtzeitig für die Saison 2019 über diesen spektakulären Bootstyp aufklären und mit Vorurteilen aufräumen.

 

Phoenix Yachting: Selbst passionierteste Einrumpf-Fahrer begeistern sich für einen Katamaran, wenn sie diesen erst einmal eine Woche gechartert haben. Warum ist das so? Was ist das Geheimnis dahinter?

Jens Schönberg: Ein Katamaran stellt heute, auch wenn das für viele Charterer nicht wichtig ist, ein größeres Prestige dar als ein Einrumpfboot in vergleichbarer Länge, da er imposanter, mondäner aber auch souveräner wahr genommen wird. Auch die Flybridge ist in der Regel doppelt so gross wie bei einem Monohull und damit sticht der Captain als „MASTER of the Sea“ hervor. Ein Motorkatamaran bietet dazu den Vorteil, dass alle Personen auf der Flybridge neben dem Skipper Platz finden und damit das Fahren zusammen erleben, was ja bei einem Segel-Kat unmöglich ist.

Natürlich liegen noch weitere  Vorteile klar auf der Hand. Es ist einfach viel Platz auf einem Katamaran, da man zwischen zwei Rümpfen eine mehr als drei mal so grosse Fläche schaffen kann als bei einem Mono der gleichen Länge. Dieser verfügbare Platz ist Zentrum des Lebens auf dem Wasser und bietet zudem in der Regel eine 360° Rundumsicht über dem Wasser, so wie bei dem Powerkatamaran AQUILA 44.

Nur für Schlafen und für Körperpflege bzw. wenn sich jemand mal ganz dezent zurückziehen möchte, nimmt man die voll-klimatisierten Kabinen und Räume in den Schiffsrümpfen in Anspruch. Auch vom Bett aus wird die schöne und weite, fast 180 °-Sicht über das Meer nicht getrübt.

 

Phoenix Yachting: Wie leicht lässt sich ein Motorkatamaran fahren und in einer kleinen Marina handhaben?

Jens Schönberg: Ein Motor-Katamaran hat einen sehr geringen Tiefgang, der zwischen 1,0 und 2,3 Metern zum Einrumpfer abweichen kann.

Diese Eigenschaft hat natürlich automatisch zur Folge, dass ein Katamaran schneller ist und in jeder Marina oder an fast jeden Steg anlegen kann. Somit ist der Aktionsradius für den Urlaub grösser und die Planungssicherheit steigt.

 

Phoenix Yachting: Warum gibt es weniger Unfälle und Beschädigungen selbst mit unerfahreneren Skippern und Crews?

Jens Schönberg: Die Manövrierfähigkeit eines Motorkatamarans ist selbst mit kleineren Antrieben spielend, auch von unerfahren Crews, zu handhaben und stellt einen enormen Vorteil sowie verbesserte Sicherheit dar, insbesondere in Engstellen und bei stärkerem Wind. Die Motoren liegen einfach doppelt so weit auseinander als bei Einrumpfbooten. Somit lässt sich der KAT auf den Punkt genau drehen und manövrieren.

Durch die geringere Windangriffsfläche und des ausgeglichenem Schwerpunktes ist das Geigen und der Schwojkreis um den Anker/Boje wesentlich geringer, damit hält der Anker auch bei Starkwind und schlechtem Ankergrund besser.

Bekannte Unfallstellen durch laufendes Gut wie Leinen, Wischen etc. wie man sie bei Segelkatamaranen kennt fallen hier fast vollständig weg. Dazu kommt natürlich, dass die einfachere Handhabung weniger Stress verursacht und somit die Unfallhäufigkeit verringert.

 

Phoenix Yachting: Warum sind Katamarane gerade so populär? Gerade bei Familientörns geht der Trend immer öfter zu Kats.

Jens Schönberg: Ein Segelkatamaran bis 50“ benötigt mind. 2-3 Personen mit Erfahrung, einen Power-Kat kann ein Skipper komplett allein handhaben was es für Familien einfacher macht.

Der enormen Platz und Stauraum auf einem KAT lässt keine Wünsche offen. Damit  finden auch Kinder Ihren Spaß und ggf. eine eigene Spielecke oder –zimmer.

Ein Katamaran kommt bei jeder Familie bestens an, da fast kein Schwanken und Taumeln auch bei rauerer See auftritt. Das ist nicht nur ein großer Sicherheitsaspekt sondern macht es leichter für Frauen und Kinder sich an Bord wohl zu fühlen.

 

Phoenix Yachting: Nur Vorteile? Das ist nicht sehr realistisch … was wären aus deiner Sicht die Nachteile?

Jens Schönberg: Nun die Nachteile sind anderer Natur und beeinflussen weder Sicherheit noch Vergnügen, sondern nur den Geldbeutel. Katamarane sind in der Anschaffung teurer (daher auch mehr Platz & Prestige) und demzufolge beeinflusst das auch den Charterpreis.

 

Die Breite des Katamarans schlägt sich auch in den Liegegebühren für Marinas nieder. Das bedeutet 150 bis 200 % mehr Liegegebühren, was die Crews beim Ankern nicht stört, da hier meist keine Gebühren fällig werden.

Ein weiterer Nachteil ist ebenfalls, dass es im Verhältnis zur Nachfrage einfach zu wenig bis fast keine Motorkatamarane im europäischen Markt gibt.

 

Jens Schönberg ist passionierter Bootfahrer und Segler seit Kindesbeinen.
Sein höchstes Patent: International Yachtmaster FBIII
25‘000 NM+ als Skipper auf fast allen Meeren mit eigenen Schiffen und Charterschiffen
Ausbilder für Führerscheine, Funkscheine und Skippertrainings für verschiedene Charterunternehmen

www.segeln-kroatien.de